Warum Ortsentwicklung?


Bestehende Orte mit ihren vorhandenen Gebäude- und Verkehrsstrukturen zu verändern ist eine schwierige Aufgabe. Dagegen scheint es oft einfacher neue Baugebiete an den Ortsrändern zu schaffen. Warum also bemühen wir uns so um eine Ortsentwicklung im Innern?

 

Ortskerne sind  wichtige Teil der Gemeinde und als solche sollen sie attraktiv und lebenswert bleiben.

 

Gebäude und Straßen altern und verschleißen. Sie müssen also nicht nur Instand gehalten, sondern auch an heutige Ansprüche angepasst werden. Diese Ansprüche werden durch verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst. Sie sind Anlass genug eine Innenentwicklung ins Auge zu fassen!

Was verändert sich?

 

Da wäre zum einen der demografische Wandel. Unsere Bevölkerung wird insgesamt immer älter, weniger und bunter. Aktuell werden zu wenige Kinder geboren, um die Sterberaten auszugleichen. Gemildert wird die Schrumpfung durch Zuwanderung aus dem Ausland. Diese stellt die Kommunen vor große Integrationsaufgaben. Außerdem sind in vielen Städten und deren Umland die Mieten und Preise für Boden stark gestiegen. Dies betrifft vor allem Wachstumsregionen, da dort viele Menschen wegen des Arbeitsplatz- und Versorgungsangebots leben möchten. Das beeinflusst die Nachfrage nach Wohnungen. Außerdem können Haushalte heutzutage sehr vielfältig zusammengesetzt sein. Viele Menschen leben alleine oder nur mit einem Partner oder Partnerin zusammen, sind alleinerziehend oder möchten in einer Wohngemeinschaft leben. Eine Konsequenz ist, dass das aktuelle  Wohnungenangebot angepasst werden muss. Es werden andere Arten von Wohnungen benötigt.

Lesen Sie hier mehr über Veränderungen in der Wohnungsnachfrage.

 

Bildquelle: AktVis


Eine veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung bedeutet veränderte Ansprüche an Wohnen,

Mobilität und Einkaufen, aber auch an das Zusammenleben.

 

Nur noch wenige Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Das trifft einige ländliche Regionen, in denen kaum andere Wirtschaftszweige vertreten sind, besonders. Eine schwache Wirtschaft und unzureichende Infrastruktur lässt gerade die jungen Leute fortziehen. Heute wird die Arbeitswelt vor allem durch Industrie und Dienstleistungsgewerbe geprägt. Und diese finden sich hauptsächlich in größeren Städten, Gemeinden und entwicklungsstarken Regionen, die ein anhaltendes Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum aufweisen. Kommunen in solchen Wachstumsregionen bemühen sich händeringend ausreichend Wohnraum bereit zu stellen, doch es fehlt oftmals an möglichen Bauflächen. In wirtschaftsschwachen und schrumpfenden Regionen dagegen stehen die Kommunen vor der Herausforderung die Versorgung ihrer Bevölkerung überhaupt aufrecht zu erhalten. Verstärkt wird dies durch fehlende Gelder in den kommunalen Kassen.

 

Außerdem wirft der Klimawandel Fragen nach dem angemessenen Umgang mit natürlichen Rohstoffen und der Vermeidung von Umweltschäden auf. Dafür müssen Lösungen gefunden werden. Innen- oder Ortsentwicklung ist ein Baustein, der dazu beitragen kann. Denn auch natürlicher Boden ist eine  schützenswerte Ressource, die nicht wiederhergestellt werden kann, wenn sie einmal aufgebraucht wurde.

 

Jeden Tag werden in Deutschland etwa 66 Hektar Boden für neue Baugebiete auf Wiesen und Ackerflächen

unwiderruflich zerstört! Und damit auch Lebensräume und Erholungsgebiete.

 

Neue Ansprüche müssen und sollten nicht durch einen kompletten Neubau von Straßen und Häusern auf unberührten Flächen gedeckt werden. Unverbaute Naturräume haben eine wichtige Funktion und es geht auch ohne diese mit Neubauten zu versiegeln. Wir alle müssen dazu beitragen, dass unsere Gemeinden in Zukunft als lebenswerte Orte allen unseren täglichen Bedürfnissen gerecht werden können.

 

Ein leerstehendes Gebäude oder eine ungenutzte Baufläche stören die Einzelnen wenig. Tatsächlich ist es aber so, dass in vielen Gemeinden nicht nur ein paar Leerstände oder Baulücken existieren. Oftmals sind es so viele, dass sie zusammen für ein ganzes Baugebiet reichen würden. Neue Baugebiete bedeuten hohe Kosten, die von Eigentümern und Steuerzahlern getragen werden. Die Planung, das Verwaltungsverfahren, die Grundstücksneuordnung sowie die Herstellung und der Betrieb der nötigen Infrastruktur kosten viel Geld. Im Gegensatz dazu sind im bestehenden Gemeindegebiet keine großen Investitionen für neue Infrastrukturanlagen mehr nötig. Das spart Kosten für Jedermann! Und das Geld kann an anderer Stelle eingesetzt werden.

 

Die Gesellschaft verändert sich und mit ihr müssen sich auch Städte und Gemeinden verändern! Stetiges Wachstum

nach Außen durch Neubaugebiete ist gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch nicht nachhaltig!


Laufzeit: 1.März 2017 bis 28. Februar 2019  |  BMBF Förderkennzeichen: 033L188A 



Stand der Inhalte: Februar 2018