Wie wohnen wir?


Wohnen ist eines der zentralen Grundbedürfnisse. Obwohl in Deutschland jedes Jahr Millionen von Wohnungen gebaut werden und die Bevölkerungszahl abnimmt, ist die Nachfrage ungebremst. Dies hängt insbesondere mit dem steigenden Anteil an Einpersonenhaushalten zusammen. Während die einen in Regionen mit hohem Wohnungsdruck und steigenden Mieten darum kämpfen überhaupt Wohnraum zu finden, haben manch andere Regionen viele leerstendene Gebäude, die nur auf Bewohner und Bewohnerinnen warten. Trotzdem steigen der Wohnflächenverbrauch und der -bedarf  in Deutschland weiter. Wie kommt das?

 

Aktuelle Wohnsituation

 

Heute beansprucht ein Einwohner in Deutschland durchschnittlich 46 m² Wohnfläche. 1990 waren es knapp 11 m² weniger. Die durchschnittliche Wohnung in Deutschland hat etwa 3 bis 4 Zimmer auf 91 m². Genügend Platz für die ganze Familie. Dabei gibt es die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie zunehmend seltener. Die jüngere Generation möchte flexibler und weniger gebunden sein, Karriere machen und die Welt entdecken. Familiengründung und Nachwuchs kommen insgesamt seltener und wenn, dann meist in späteren Jahren zustande. Auch Alleinerziehende gibt es heutzutage häufiger als früher. Durch u. a. diese Entwicklungen kommt es dazu, dass es immer mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte gibt. Auch ältere Menschen wohnen nach dem Auszug der Kinder oft alleine oder zu zweit in den eigenen vier Wänden. Die Bewirtschaftung von Haus und Garten kann dabei mit zunehmendem Alter zur Belastung werden. Viele fassen dennoch keinen Umzug in eine altersgerechte Wohnung ins Auge. Hemmnisse sind persönliche Werte, Gewohnheiten, die Befürchtung, die eigene Selbstbestimmtheit aufgeben zu müssen, aber auch der Mangel an Alternativen.

 

In Deutschland steigen die Anzahl der Haushalte und die Wohnfläche pro Person, obwohl die Wohnungen

selbst nicht größer werden. Es werden nur immer mehr Wohnung für immer weniger Einwohner.

 

Aufgrund der steigenden Mieten ist die durchschnittliche 91 m² Wohnung für Singles, Alleinerziehende oder auch Familien aber oft nicht mehr bezahlbar. Da helfen auch mehr Wohnungen nicht.

Bildquelle: AktVis | Daten: Statistisches Bundesamt

Der Blick nach Vorne

 

Wie also schaffen wir es dort für genügend und vor allem passenden Wohnraum zu sorgen, wo er gebraucht wird? Trotz des großen Wohnraumbedarfs stehen vielerorts Gebäude leer und Baugrundstücke bleiben unbebaut. Für die Kommunen ist es ein schwieriges Thema. Neuer Wohnraum wird benötigt, aber fehlende Flächen, Gebäude und leere Kassen erschweren die Baulandentwicklung. Optionen gibt es aber doch. Solche sind neben Baulücken und leerstehenden Gebäuden der Umbau von nicht mehr benötigten Scheunen und Ställen sowie Anbauten und Aufstockungen an vorhandenen Wohngebäuden (Nachverdichtung). Das sorgt zwar für mehr Wohnungen, aber die Problematik des steigenden Wohnflächenverbrauchs wird dadurch nicht gelöst.

 

In Zukunft heißt es dann: Umdenken, neu denken oder steigende Preise in Kauf nehmen.

 

Oftmals ist es nicht die Menge an Wohnraum, die fehlt, sondern die Art des Wohnraums. Eine Familie mit Kindern braucht mehr Wohnraum als eine einzelne Person. So kann es beispielweise für alle Beteiligten ein Gewinn sein, wenn eine ältere Person ihr großes Haus an genau diese Familie verkauft und dafür in eine altersgerechte kleinere Wohnung zieht. Möglicherweise kann diese ältere Person stattdessen aber auch ihren eigenen Wohnraum barrierefrei gestalten und die überschüssige Fläche bleibt als Wohnung für die Kinder oder Enkel. So kann man selbstbestimmt und flexibel bis ins hohe Alter leben. Was passiert mit Menschen, deren Lebensumstände sich ändern; die mit ihrem Partner zusammenziehen möchten, oder plötzlich weniger Geld zur Verfügung haben? Die herkömmliche Möglichkeit besteht darin, eine neue Wohnung zu suchen. Aber auch hierfür gibt es intelligente Konzepte. Einige Wohnprojekte bieten zum Beispiel flexible, mitwachsende und -schrumpfende, Wohnungsgrundrisse an, bei denen einzelne Zimmer zugemietet oder abgegeben werden können.

 

Sie möchten im Eigentum leben, aber ein Einfamilienhaus ist zu teuer? Baugemeinschaften könnten die Lösung sein! Für nahezu jedes Bedürfnis gibt es Wohnprojekte. Ob alleine oder gemeinschaftlich orientiert. Es lohnt sich, herkömmliche Wohnraumkonzepte zu hinterfragen und sich von bestehenden Wohnprojekten inspirieren zu lassen. 

 

Wir brauchen häufig nicht mehr Wohnungen. Wir brauchen nur die richtigen!


Laufzeit: 1.März 2017 bis 28. Februar 2019  |  BMBF Förderkennzeichen: 033L188A 



Stand der Inhalte: März 2019